Tutorial Pfeilbau: Spitzen, Vanes und Federn kleben bei Carbonpfeilen

Zu Beginn meines Hobbies war ich ja eine faule Sau und hab mir meine Pfeile komplett bestellt oder im Laden bauen lassen. Federn und Spitzen sind allerdings Verschleißteile und immer wieder zum Laden gondeln kostet Zeit und ist nicht immer gut möglich, wenn Öffnungszeiten und Beruf kollidieren. Dabei kann man das alles supereinfach selber machen ohne großen Aufwand oder Kosten.

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Wenn man es richtig macht, geht das richtig gut. Bei mir hat sich in einem dreiviertel Jahr gerade mal eine einzige Feder gelöst und das auch nur, weil ich gepfuscht habe. Hier mal ein kleines Tutorial dazu, wie man das schnell und einfach machen kann.

Spitzen in Carbonpfeile kleben

Das Einkleben von Spitzen (oder auch Inserts) ist im Grunde keine große Aktion. Ein bisschen Krams dafür benötigt ihr, abgesehen natürlich von den Schäften und Spitzen selbst:

  • Klebstoff (vorzugsweise Zwei-Komponenten-Kleber auf Epoxidbasis). Ich benutze dazu UHU Plus Endfest. Der ist leicht dosierbar und hält richtig gut. Selbst bei Schüssen ins Holz hat’s mir noch keine Spitze gezogen.
  • eine dünne Rundfeile (die in euren Pfeilschaft passt)
  • Aceton
  • Küchenpapier
  • Wattestäbchen
  • schmaler Pinsel

Der erste Step ist, den Schaft innen etwas aufzurauen, damit der Klebstoff besser hält. Nutzt eine passende Rundfeile und schleift damit das Innere des Schafts etwas an. Tunkt danach ein Wattestäbchen ins Aceton ein und reinigt damit den Schaft von Innen. Das ist nicht unwichtig, um den Carbonstaub, der generell drin sitzt, loszuwerden, um die Haftung zu erhöhen. Danach das Gleiche nochmal mit einem trockenen Stäbchen, um das Aceton rauszuwischen, sonst hält der Kleber u.U. nicht richtig.

Raut nun den Teil der Spitze, der im Schaft landet, ebenfalls etwas mit der Pfeile auf und entfernt etwaigen Schleifstaub. Entfernt die Nocke aus dem Schaft, damit die Spitze durch den Luftdruck im Schaft nicht wieder rausgedrückt wird beim Trocknen. Das alles ist nicht unwichtig, um der Spitze die maximale Haftung zu verleihen.

Drückt nun eine etwa Daumenspitzen-große Menge der zwei Kleberkomponenten in einen kleinen Behälter und vermischt die beiden Komponenten gleichmäßig. Bestreicht mit einem Pinsel nun den Teil der Spitze, der in den Schaft gehört, mit dem Kleber. Es reicht, wenn etwa die Hälfte oder 2/3 des Inserts der Spitze mit Klebstoff gleichmäßig bestrichen sind. Steckt nun die Spitze nicht einfach in den Schaft, sondern dreht sie langsam hinein, damit sich der Kleber gut verteilt. Überschüssiger Klebstoff, der zwischen Schaft und Spitze herausgedrückt wird, wird mit Küchenkrepp entfernt.

Lasst das Ganze über Nacht trocknen und setzt dann die Nocke ein. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, wird die Spitze sicher und lange im Schaft sitzen.

Vanes oder Federn kleben

Auch das Ankleben von Federn und Vanes ist im Grunde kein Problem. Manche schwören auf Federnklebestreifen, ich habe damit bisher keine guten Erfahrungen gemacht und bin eher ein Freund des Klebstoffs. Folgendes Material wird benötigt:

  • Passender Klebstoff. Ich nutze den Saunders Arrow Mate Cement. Der ist sehr gut dosierbar, haftet schnell und überschüssiger Kleber lässt sich gut entfernen. Er braucht zwar etwas länger beim Aushärten, aber wenn die Vanes kleben, dann kleben sie. Mir ist in neun Monaten genau eine Feder abgegangen, und das auch nur, weil ich gepfuscht hab.
  • Befiederungsgerät. Ich nutze ein Cartel Befiederungsgerät. Damit kann man zwar immer nur je eine Feder kleben, aber es ist a) preiswert (unter 20 Euro) und lässt sich b) dank Magnethalterung sehr gut platzieren.
  • Aceton
  • Küchenpapier

Solltet ihr alte Vanes entfernen wollen, geht das recht gut mit einem scharfen Cuttermesser. Haltet die Klinge dabei so flach wie möglich an den Schaft, damit ihr nicht ins Carbon schneidet. Letzteres ist nicht gut für die Stabilität des Pfeils, außerdem könnt ihr euch mit Schnittstellen im Carbon böse verletzen. Eine Alternative sind scharfe Rundbeitel, die in etwa dem Durchmesser der Pfeile entsprechen. Bei ganz hartnäckigen Kleberesten sind Fön oder heißes, nicht kochendes Wasser hilfreich.

Etwaige Kleberreste alter Federn entfernt ihr mit Aceton. Gegebenenfalls könnt ihr alten Federnkleber auch mit einem Fön oder heißem Wasser aufweichen. Egal ob neu oder alt: reinigt den Schaft mit Aceton, um Kleberreste oder Carbonstaub loszuwerden und trocknet das Ganze danach mit Küchenpapier. Man liest immer wieder, dass Schützen mit neuen Schäften Probleme mit abfallenden Federn haben. Das liegt eben am besagten Carbonstaub. Also weg damit. Aber nicht abschleifen, das beeinträchtigt die Oberfläche.

Setzt nun die Feder oder Vane in die Klemme des Befiederungsgeräts ein und achtet darauf, dass alle Vanes gleich bündig sind, damit sie nachher nicht versetzt am Pfeil sitzen. Drückt nun mit der Klebstofftube einen schmalen, durchgängigen (!) Streifen Kleber auf die Vane/Feder. Wichtig ist, dass es keine Lücken gibt. Wo kein Kleber ist, wird sich die Feder unweigerlich mit der Zeit lösen.

Setzt nun die Halterung ins Befiederungsgerät ein entsprechend der jeweiligen Einstellungen und presst die Feder/Vane an den Schaft. Überschüssiger Kleber, der herausquillt, wird sofort mit einem Stück Küchenpapier entfernt. Der Saunders-Kleber, den ich nutze, hat den Vorteil, dass er schnell haftet, aber immer gut entfernbar ist. Nach etwa einer Minute antrocknen könnt ihr euch der nächsten Vane/Feder widmen. Sollte immer noch überschüssiger Kleber vorhanden sein, könnt ihr den einfach abziehen.

Habt ihr all das beherzigt, sollten die Vanes/Federn problemlos und sicher haften. Lasst die Pfeile aber über Nacht aushärten. Der Saunders-Kleber haftet zwar schnell, bleibt aber noch recht lang flexibel. Die Möglichkeit, überschüssigen Kleber einfach abzuziehen, ist mir aber wichtiger als eine schnelle Aushärtung.

Pfeilbeschriftung

Noch ein Tipp am Rande: Pfeile müssen für Turniere beschriftet sein, zumindest mit einer Namenskennzeichnung. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Arctec zum Beispiel bietet konfigurierbare Decals an, die ihr einfach auf die Pfeile klebt. Meine Empfehlung ist allerdings der Sakura Pen-Touch 0.7 mm in weiß, also ein Lackstift. Einfach zu handhaben und dabei wisch- und wasserfest. Haftet bestens auf Carbon.

 

 

 

 

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Turnierpremiere 2018 und so weiter …

Sodele, erstmal nachträglich noch ein gutes neues Jahr in der Hoffnung, dass ihr die Feiertage gut überstanden habt. Konnte die Urlaubszeit dank gutem Wetter doch erfreulich oft nutzen, ab und zu mal etwas Carbon durch die Gegend zu schubsen. Das neue Setup mit dem Best Moon Mittelteil erforderte ja noch ein wenig Arbeit. Entfernungen ausschießen halt.

Bin dabei noch auf die Idee gekommen, meine altehrwürdigen und recht teuren Easton ACC 620, die ich eigentlich schon verkaufen wollte, nochmal zu testen. Flogen mit dem alten Setup wie Ofenrohre, mit dem neuen funktionieren sie tatsächlich besser als meine heiß geliebten VAPs, die für Feld und WA wohl nun doch in die Reserve wanderns. Wunderbares Gefühl, dass selbst beim Ausschießen der Entfernungen tatsächlich ALLE Pfeile in die Punkte gegangen sind. Geil.

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Auch meine Penthalon Hunter Extreme für 3D funktionieren wunderbar. Bis auf die Federn, die sind schlecht geklebt. Werde sie wohl runterrupfen und doch mal die Dragon Flights draufmachen. Nervt, wenn man nach jedem Schießen zwei oder drei Pfeile nachkleben muss. Wenn man halt nicht alles selber macht …

Der Bogenumbau war auf jeden Fall eine hervorragende Idee. Das neue Setup macht richtig Spaß und schießt sich traumhaft. Auch der neue Tab von Yost Archery ist der absolute Hammer.

Heute gab’s das erste Turnier 2018. Ein hübsches Vereinsturnier, natürlich draußen, mit einer Mischung aus Feld und 3D. Hat Spaß gemacht. Ergebnis passt auch. Guten dritten Platz mit 163 Punkten geschossen, nur 6 Punkte hinter den Erstplatzierten. Und das, obwohl ich mit den 3D-Pfeilen noch nicht alle Reichweiten ausgeschossen hatte und das ganze Setup überhaupt das erste Mal auf einer Turnierrunde genutzt habe. Da geht noch einiges. Scheint, als hab ich jetzt nach langem Basteln endlich die solide Basis, die zu mir passt und die ich immer gesucht habe, spätestens seit dem Formtief im Herbst.

Gemütlich war es nicht gerade, etwas über 0 Grad mit einesetzendem Nieselregen am Ende. Aber: auch die Outdoorklamotten sind derweil perfekt. Thermosocken und -unterwäsche, Woll-Hoodie, Outdoorhose, gefütterte Treckingboots und eine warme Softshelljacke. Damit ist es immer schön warm und trocken und die Bewegungsfreiheit damit ist super.

Auch das heimische Training zahlt sich aus. Die Technik wird besser, bis auf den einen oder anderen Patzer hier und da. Aber wenigstens merk ich selber, welche Fehler ich mache und kann sie dann beheben. Auch Kraft und Ausdauer werden besser. 2018 könnte in Sachen Bogenschießen ein gutes Jahr werden.

Die Bogenecke ist nun ebenfalls nahezu ausgeräumt. Noch ein weiterer Bogen hat einen Abnehmer gefunden und auch das Kleinkram ist weitestgehend verkauft. Mal gespannt, was in diesem Jahr noch alles kommt. Wäre ja nicht schlecht, wenn das Basteln und Ausprobieren endlich mal zur Ruhe kommt und ich mich voll und ganz drauf konzentrieren kann, schlicht und einfach besser und konstanter zu werden. Auf jeden Fall fühlt sich alles sehr gut an, und das ist die halbe Miete. Bogenschießen ist viel Kopfsport, wenn man sich mit allem wohl fühlt, klappt vieles wie von selbst.