Bogenschießen für Einsteiger

Bogenschießen, egal in welcher Form, ist ein feiner Sport. Der Körper, allem voran der Schulter- und Rückenbereich, wird wunderbar trainiert. Seitdem ich wieder aktiv bin, haben sich Rückenschmerzen und Verspannungen vom Schreibtischjob verflüchtigt. Das Immunsystem wird gestärkt durch die frische Luft, vor allem als Feld- und 3D-Schütze. Und der Kopf wird trainiert – man muss sich konzentrieren, fokussieren und auf zig verschiedene Kleinigkeiten gleichzeitig achten. Wunderbar, um vom Alltagsstress abzuschalten, dafür ist beim Schießen nämlich einfach kein Platz mehr in der Birne.

Doch wie kommt man eigentlich zum Bogenschießen? Wo kann man das mal ausprobieren oder lernen? Was kostet so ein Bogen? Wo kaufe ich den? Welcher Bogen ist der Richtige? Das sind Fragen, die wir Bogensportler immer wieder hören, daher dachte ich mir mal, dass ich zumindest einen Teil davon zu beantworten versuche.

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Die Variante „Ich kauf mir mal nen Bogen und baller nen bisschen im Garten rum“ ist jedenfalls nicht optimal. Bogenschießen hat viel mit Technik zu tun und ohne vernünftige Einweisung macht es auf lange Sicht keinen Spaß, es schleichen sich endlose Fehler ein und das Verletzungsrisiko ist nicht außer acht zu lassen, zumal sich Anfänger gern überschätzen, vor allem, was das Zuggewicht eines Bogens angeht.

Wo kann ich das Bogenschießen ausprobieren?

Nun, Möglichkeiten gibt es reichlich. Bei verschiedenen Event-Veranstaltern steht das Bogenschießen durchaus hoch im Kurs. Optimal ist das nicht unbedingt, denn wie ich aus eigener Erfahrung weiß, hapert es dort oft an vernünftig gewartetem Equipment und die „Trainer“ haben bestenfalls mal gegoogelt, wie das alles funktioniert. Nicht verallgemeinernd gemeint, man kann auch durchaus Glück haben. Na ja, um überhaupt mal einen Bogen in der Hand zu haben und einen Pfeil in Richtung eines Ziels zu bewegen, ist das schon okay.

Eine deutlich bessere Alternative sind hingegen die mittlerweile zahlreichen Bogenparks und 3D-Parcoure in Deutschland. Dort hat man zumeist die Möglichkeit, zumindest eine fachkundige Einweisung ins Bogenschießen zu bekommen. Das dauert nicht lange, eine Stunde reicht meist aus, um zumindest die Grundlagen hinzubekommen und es kostet nicht viel. Zudem verfügen Bogenparcoure über Leihequipment, das man für einen kleinen Taler für den Tag mieten kann. Manche bieten auch umfangreichere Schnupperkurse oder Fortgeschrittenenkurse an.

Die Kosten sind überschaubar. Der Bogenpark Hohenkammer bei München beispielsweise bietet einen zweistündigen Schnupperkurs inklusive Ausrüstung für 25 Euro an. Leihausrüstung für die Parcoursrunde gibt es für 10 Euro, die Parcoursrunde selbst kostet 8 bis 16 Euro, je nach Umfang. Auch Fortgeschrittenenkurse werden oft angeboten, um das Gelernte zu vertiefen. Insgesamt also eine nicht allzu teure Möglichkeit, mal einen Fuß ins Bogenschießen zu setzen und Spaß macht es außerdem, einen Nachmittag im Wald zu verbringen und auf die Jagd nach Plastiktieren zu gehen.

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Eine weitere Möglichkeit sind natürlich die zahlreichen Bogensportvereine. Nicht wenige bieten ebenfalls Schnupperkurse oder Probetraining an. Vereine gibt es überall in Deutschland, einfach mal auf deren Websites informieren. Interessant ist das auf jeden Fall für Einsteiger, die sich intensiver mit dem Sport beschäftigen möchten.

Natürlich ist es auch möglich, das Bogenschießen autodidaktisch mithilfe von Büchern und Videos zu erlernen. Dauert halt alles ein bisschen länger und das größte Problem ist, dass niemand da ist, der etwaige Fehler (und die werden sich einschleichen, hundertprozentig) aufzudecken und zu korrigieren. Ein Trainer oder Coach in irgendeiner Form ist generell empfehlenswert, denn es ist verflucht schwer, eingeschlichene Fehler wieder loszuwerden.

Welchen Bogen soll ich als Anfänger kaufen?

Ist das Interesse geweckt und vielleicht sind die ersten Gehversuch absolviert, kommt natürlich die Gretchenfrage: Welchen Bogen kaufe ich mir? Einfache Antwort: am besten erstmal gar keinen und schon gar nicht ohne Beratung. Das hat mehrere Gründe: Bogenlänge und Zuggewicht müssen zum Schützen passen. Die Pfeile müssen zum Bogen passen. Sprich so ziemlich alles muss zumindest halbwegs auf den Schützen angepasst sein.

Hinzu kommt, dass sich gerade im ersten halben Jahr bei regelmäßigem Schießen noch vieles verändert, allein schon beim Zuggewicht durch den Kraftaufbau, der mit der Zeit ganz automatisch kommt. Sprich, mit etwas Pech wirft man nach zwei oder drei Monaten den teuer gekauften Bogen in die Ecke, weil nix mehr zusammenpasst. Das muss nicht sein.

Die deutlich bessere Option ist mieten. Die meisten größeren Bogenhändler bieten Mietbögen an, für den Beginn meist ein Recurvebogen mit Metall- oder Holzmittelstück. Das kostet deutlich weniger als ein Fehlkauf und bietet die Option, Wurfarme, Mittelteil oder gar den ganzen Bogen über den Mietzeitraum jederzeit austauschen zu können. Bei manchen wird sogar die gezahlte Miete bei einem späteren Kauf auf den Preis angerechnet. Unbedingt empfehlenswert!

Abgesehen davon ist ein guter Bogenhändler in der Lage, für den Schützenfrischling einen passenden Bogen nebst Equipment zusammenzustellen, mit der richtigen Zugkraft und der richtigen Bogenlänge. Und es gibt meist die Möglichkeit, den Bogen auszuprobieren, eben um festzustellen, ob er zum Schützen passt und derjenige damit klarkommt. Wer das Schießen über einen Verein erlernt, hat dort mitunter auch die Möglichkeit, die ersten Wochen mit einem Vereinsbogen zu schießen. Also nicht gleich das Geld für was eigenes aus dem Fenster werfen, es lohnt sich nicht. Wirklich nicht.

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So nach etwa einem halben bis ganzen Jahr macht es im Grunde erst wirklich Sinn, sich was eigenes zuzulegen. Dann sitzen die Basics, die Zugkraft ist halbwegs stabilisiert. Vor dem Kauf sollte man sich allerdings überlegen, welche Bogenart man eigentlich schießen will. Immerhin gibt es mit Compound, Olympic Recurve, Blankbogen, Langbogen, Jagdrecurve, Reiterbogen etc. eine ganze Reihe unterschiedlicher Bögen. Es sollte also auch Teil des Lernprozesses des Bogenschießens sein, sich schlussendlich zu entscheiden, worauf man sich fokussieren möchte.

Was brauche ich eigentlich an Equipment?

Das Equipment fürs Bogenschießen ist im Grunde gar nicht soooo teuer, zumal es normalerweise lange hält. Abgesehen vom Bogen und passenden Pfeilen braucht man natürlich noch ein bisschen mehr. Ein Armschutz tut Not, damit es nicht aus Versehen ein kunterbuntes, aber schmerzhaftes Temporärtattoo gibt, wenn die Sehne mal auf den Unterarm klatscht.

Ein Köcher für die Pfeile muss her. Tab oder Handschuh als Fingerschutz ist Pflicht. Dazu noch eine Ziehhilfe, um die Pfeile wieder aus der Scheibe zu zerren, ein Bogenständer und eine Spannschnur zum Bogenspannen und im Grunde hat man das Basisequipment beisammen. Eventuell noch eine Bogentasche dazu, um Bogen und Zubehör gemeinsam zu verstauen. Für um die 100-150 Euro sollte man das Gröbste zusammenbekommen, wenn man ein bisschen auf vernünftige Preise schaut und vergleicht. Tipp: bei Ebay-Kleinanzeigen oder in Bogenflohmärkten bei Facebook kann man das eine oder andere Teil günstig gebraucht erwischen.

Wie teuer sind Bögen?

Der Bogen ist wieder eine andere Sachen. Wie bei so ziemlich allem, sind nach oben kaum Grenzen gesetzt, allerdings sollte man, wenn man sich zum Kauf entschlossen hat, erstmal etwas kleiner beginnen und nicht gleich den Super-Duper-Highend-Hammerbogen kaufen. Viel wichtiger ist, dass man mit dem Bogen gut klarkommt und sich damit wohl fühlt. Letztendlich kommt es auf den Schützen an und nicht so auf den Bogen. Dementsprechend auch nicht „blind“ aus dem Internet kaufen (außer, man weiß, was man tut), sondern nach Möglichkeit ausprobieren, zum Beispiel in Bogenläden oder mal die Bögen von Vereinskollegen ausprobieren. Natürlich solltet ihr euch auch vor dem Kauf entschieden haben, welche Bogenklasse ihr schießen wollt, ob Compound, Olympisch, Blank, Instinktiv, Primitiv oder was auch immer.

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Am Beispiel eines Recurve Take-Down Bogens (bestehend aus Mittelteil und zwei Wurfarmen): Einsteigerbögen gibt es hier bereits um die 100 Euro, die meisten davon sind ziemliches Brennholz. Recht ordentlich bis sogar gut sind die Bögen von Ragim. Die liefern ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis für den Anfang.

Wer es etwas solider und mit Metallmittelteil haben will, der muss schon um die 3-400 Euro investieren. WNS, EXE und einige andere Firmen bieten richtig gute Bögen, an denen man schon mehrere Jahre seine Freude haben kann. Wer noch mehr aus seinem Bogen herausholen will, findet reichlich Möglichkeiten, tief in die Tasche zu greifen und bis zu 2.000 Euro und mehr in einen Recurvebogen zu stecken. Mein Baby liegt derweil mit allem Drum und Dran bei etwa 1.300 Euro. Damit schieß ich zwar nicht besser (oder zumindest nicht viel), aber es ist meiner. Mit viel Arbeit und Liebe konfiguriert und ich fühl mich sauwohl damit.

Die Spanne zwischen 100-150 Euro bis hin zu 2.000 Euro und mehr trifft eigentlich bei allen Bogenarten zu, egal ob Langbogen, Compound (mit höherem Einstieg etwa ab 400 Euro) oder Jagdrecurve. Für einen richtig schicken Langbogen aus Handfertigung könnt ihr jedenfalls ebenso locker weit über 1.000 Euro loswerden. Aber: im Grunde gibt es für jeden Geldbeutel etwas Passendes. Auch bei Bögen könnt ihr gebraucht mal ein Schnäppchen machen, wenn man weiß, was man haben will. Aber am besten mit der Möglichkeit, sich den Bogen beim Verkäufer anzuschauen und ihn auszuprobieren.

Nochmal: es ist nicht so wichtig, dass ihr den teuersten Bogen des Planeten habt. Ein guter Schütze kann auch mit einem Billigbogen richtig geil schießen. Viel wichtiger ist, dass der Bogen zu euch passt, ihr euch damit richtig wohlfühlt und alles vernünftig aufeinander abgestimmt ist. Ihr werdet im Laufe der Zeit eh genug Geld loswerden, wenn es auch mal richtig packt. Dann kommt das Experimentieren mit anderen Komponenten, Pfeilen, Spine-Werten, Spitzen, Federn, Auflagen, Sehnen und so weiter und so fort.

Also, kurz zusammengefasst:

  • Schnupperkurse, Einsteigerkurse in Vereinen und in Bogenparks sind ein guter erster Schritt in den Bogensport. Nach Möglichkeit aber nicht ohne fachkundige Einweisung loslegen, das bringt meist nur Verdruss.
  • Wer ernsthaft und regelmäßig schießen will, sollte einem Verein beitreten, der hinreichend Trainigsmöglichkeiten und am besten auch noch einen Trainer bietet.
  • Erst mieten, dann kaufen. Im ersten halben Jahr verändern sich Technik und Kraft rasant. Jeder zu frühe Kauf ist im Grunde rausgeworfenes Geld.
  • Nicht blind mieten oder kaufen, sondern den Weg zum kompetenten Bogenhändler in Kauf nehmen und sich vor Ort beraten lassen und ausprobieren. Dann habt ihr auch die passenden Pfeile, das passende Equipment und vor allem den passenden Bogen.
  • Wenn ihr kauft: Bögen gibt es in nahezu allen Preisklassen. Doch nicht der Preis entscheidet, sondern der Schütze und ob er sich mit dem Bogen wohl fühlt.

Wichtig ist aber vor allem, dass ihr Spaß an der Sache habt, egal, ob ihr nur mal ein Wochenende durch einen 3D-Parcours tobt oder regelmäßig im Verein trainiert und an Turnieren teilnehmt.

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To-Do-Liste fleißig in Arbeit

Meine lange To-Do-Liste nach der Bayerischen Meisterschaft wird ungeachtet der Hitze Stück für Stück abgearbeitet. War am Wochenende an beiden Tagen mal wieder je vier oder fünf Stunden auf der Keltenschanze und hab schon einiges geschafft.

Hab meinen Blankbogen mal ohne die Einbaugewichte ausprobiert und nur das Frontgewicht drangelassen. Ergebnis: hätte ich schon eher machen sollen. Das Verhalten des Bogens hat sich durch die Gewichtsreduzierung kaum verändert, dafür ist er nun über 500 Gramm leichter. Das schont die Schulter, spart Kraft und das Nachhalten fällt natürlich auch deutlich leichter. Augenscheinlich reicht das reine Gewicht des Mittelteils auch ohne Zusatz locker aus, um den Bogen vertikal stabil zu halten. Das Frontgewicht muss allerdings sein, ohne schlägt das gute Stück seitlich aus wie ein Esel. Bleibt jetzt so, coole Sache.

Ansonsten weiter an meinem Ankerproblem gearbeitet. Klappt zwar ganz gut, aber so richtig zufrieden war und bin ich noch nicht. Hab nun eine neue Handhaltung und Position ausprobiert, die mir etwas stabiler erscheint. Sah ganz vielversprechend aus in den ersten Versuchen. Braucht natürlich einiges an Übung, bis das alles richtig sitzt. Hauptfokus war eh erstmal, den Anker reproduzierbar hinzubekommen. Wenn das halbwegs sitzt, muss ich noch schauen, dass Release und Zielen nicht zu kurz kommen. Ist halt anfangs ne Menge Zeugs, auf die man gleichzeitig achten muss. Männer und Multitasking halt. Wird nicht langweilig. Erste Ergebnisse können sich aber sehen lassen:

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Hab auch noch einige weitere Experimente in Sachen Pfeile durch. Hatte mir einige Carbon Ones in unterschiedlichen Spines und mit verschieden schweren Spitzen besorgt. Fazit: ich bleib immer wieder bei meinen Easton ACCs hängen, Trefferbild sieht einfach am besten aus. Werde allerdings noch einen Versuch starten. Kollege hatte mir freundlicherweise einige seiner Victory VAP 6 mit 90er Spitze und GAsPro-Vanes zum Ausprobieren gegeben.

Flogen wie ein Strich, richtig geil. Etwas überraschend für mich, hab ja selbst früher VAP 6 und war auf meinem jetzigen Bogen damit gar nicht zufrieden, allerdings auch mit etwas schwereren Spitzen und kurzen Bohning-Vanes. Hab aber noch einige Schäfte daheim und auch ein paar Victory 3DHV in Bestellung, gleich mal paar GasPro Vanes dazu bestellt. Bin gespannt. Der extrem schnelle, flache Flug war beeindruckend. Könnten gerade für Feld und 3D doch wieder interessant werden.

Ansonsten liebäugle ich noch mit der neuen Zniper-Pfeilauflage. Interessantes Konzept einer Fallaway-Auflage für Blankbögen und imho noch etwas ausgereifter von der Idee her als die Gabriel BiDrop, die ich seit geraumer Zeit schieße. Leider passt das aktuelle Modell von der Bohrung her nicht zu meinem Mittelstück, aber in Kürze soll eine entsprechende Überarbeitung kommen und dann probier ich das wohl mal aus.

Am kommenden Wochenende (also 10.-12.08.) ist ohnehin erstmal Pause angesagt. Da sind wir mit unseren BC Keltenschanze wieder auf dem Indianer- und Trapperfestival (ITF) auf dem Hausler-Hof in Hallbergmoos bei München. Dort zeigen wir Interessierten das Bogenschießen und verpassen den Leuten eine kleine Schnupperrunde. Alle Einnahmen des Festivals, so auch unsere, gehen an karitative Zwecke, also gern rumkommen, Spaß haben und paar Euro da lassen. Lohnt sich!

 

Hallensaison vorbei, es geht wieder raus!

Alle Jahre wieder: kurz vor Ostern ist die Hallensaison vorbei und es geht endlich wieder raus auf die Keltenschanze. Es gibt reichlich zu tun, die Vorbereitungen für die kommenden Frühjahrsturniere laufen auf Hochtouren. Abgesehen davon hat sich ja einiges bei meiner Ausrüstung geändert und basierend auf den Erfahrungen der letzten Wochen auch bei der Schusstechnik.

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An einem Wochenende hatte ich schon mal Gelegenheit, mein ganzes Pfeilarsenal durchzuchecken. Nach dem Tuning des Bogens und nochmaliger Veränderung meines Ankerpunkts, der nun deutlich stabiler ist als zuvor, gibt’s natürlich wieder Veränderungen beim Pfeilflug. Mal ganz abgesehen davon, dass mein feines 18-Meter-Hallensetup auf 40 Meter und mehr mal so gar nicht funktioniert hat.

Also wieder Großbasteltage. Button neu justiert, Auflage angepasst und alles auf die Pfeile abgestimmt, die mich nun im Frühjahr und Sommer begleiten sollen. Beim direkten Vergleich meines Arsenals haben sich schlussendlich die Easton ACC 680 mit 80 gr. Spitze und 225er Dragon Flight Vanes als Favoriten herauskristallisiert. Hatten einfach von allen die dichteste Gruppierung. Mal schauen, ob ich damit den Aufwärtstrend nach meiner Herbst-Winter-Formkrise aufrecht erhalten kann. Bisher sieht’s nicht übel aus.

Die härteren 620er kommen erstmal in die Reserve, die 3D-Ofenrohre dürfen sich mit meinem Jagdrecurve vergnügen. Einzig die Victory VAP 700 werde ich noch weiter nutzen, aber nur zu Trainingszwecken für Feld und 3D, bis ich da wieder so sicher schieße, dass nicht allzu viele Pfeile in die Pampa segeln.

Ansonsten endlich einen roten Feldköcher geholt, passende zum Mittelteil meines Bogens und eine Bestellung bei Yost in den USA ist auch raus. Jetzt muss demnächst nur noch das Wetter mitspielen.

Das Elend mit den Pfeilen …

Irgendwie hört der Bogensport nie auf, einen zu überraschen. Nachdem ich mit dem Best Moon und den Uukhas endlich meine Erfüllung und ein – wie ich meine – gutes Tuning gefunden habe, geht das große Aussortieren weiter. Mit einigen verblüffenden Ergebnissen. Dass meine alten ACC 620, die ich eigentlich schon verkaufen wollte, mit dem neuen Bogen auf WA-Distanzen fliegen wie eine Eins, ist nur eine Sache.

Derweil sind noch ein paar Easton X7 mit NIBB-Spitzen, 350er DragonFlight Vanes und Easton Super Nocks und 2114er Spine dazu gekommen, die ich gebraucht günstig bekommen hab. Der erste Ausflug in die Halle war damit überaus vielversprechend. Das Tuning des Bogens passt prima, die Pfeile fliegen gut und erfreulich zielgenau.

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Meine 3D-Pfeile indes entpuppten sich als zu weich. Fast schon absurd. Mein alter 32-Lbs-Bogen mit SF-Wurfarmen kommt mit dem Spinewert von 800 wunderbar klar, die Dinger landen da, wo sie sollen. Beim nur zwei Lbs stärkeren Best Moon mit den Uukhas entpuppen sie sich als viel zu weich. Dort scheinen die 600er deutlich besser zu fliegen. Was zwei Lbs und die massiv schnelleren Wurfarme ausmachen können. Augenscheinlich fühlen sich die Uukhas mit 6-700ern deutlich wohler trotz des auf dem Papier geringen Unterschieds.

Da bleibt wie üblich die Empfehlung: nicht blind irgendwas bestellen, was theoretisch passen könnte, sondern ausprobieren, wenn irgend möglich. Spinewerte, Federn, Spitzen, Wurfarme, Zuggewicht, Schaftlänge – all das ist ein ungemein komplexes Zusammenspiel, das manchmal so gar nicht so recht der Theorie entsprechen mag.

Damit ist die To-Do-Liste wieder gut gefüllt. Für Halle, WA und Feld hab ich jetzt im Prinzip alles wunderbar zusammengestellt. Für 3D geht’s nun daran, meinen Bestand durchzuprobieren und für den Best Moon und den Jagdrecurve die passenden Pfeile zu finden, vorzugsweise aus meinem nicht ganz kleinen Bestand. Natürlich nehm ich für 3D robustere und schwerere Pfeile mit entsprechenden Spitzen, nicht dass nach den üblichen Fehlschüssen der Bestand gleich wieder schrumpft.

Werd daher meine verschiedenen Sorten 600er mal mit dem neuen Bogen probieren und die Altbestände mit dem Jagdrecurve durchtesten. Bei dem hatte ich eh das Gefühl, dass die 600er zu hart sind. Mit etwas Glück passt das alles dann doch irgendwie zusammen, sodass ich am Ende für jeden Bogen die passenden Pfeile parat habe, ohne wieder das Sparschwein schlachten zu müssen. Es bleibt spannend. Aber so langsam neigt sich alles einem guten Ende zu 🙂

Turnierpremiere 2018 und so weiter …

Sodele, erstmal nachträglich noch ein gutes neues Jahr in der Hoffnung, dass ihr die Feiertage gut überstanden habt. Konnte die Urlaubszeit dank gutem Wetter doch erfreulich oft nutzen, ab und zu mal etwas Carbon durch die Gegend zu schubsen. Das neue Setup mit dem Best Moon Mittelteil erforderte ja noch ein wenig Arbeit. Entfernungen ausschießen halt.

Bin dabei noch auf die Idee gekommen, meine altehrwürdigen und recht teuren Easton ACC 620, die ich eigentlich schon verkaufen wollte, nochmal zu testen. Flogen mit dem alten Setup wie Ofenrohre, mit dem neuen funktionieren sie tatsächlich besser als meine heiß geliebten VAPs, die für Feld und WA wohl nun doch in die Reserve wanderns. Wunderbares Gefühl, dass selbst beim Ausschießen der Entfernungen tatsächlich ALLE Pfeile in die Punkte gegangen sind. Geil.

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Auch meine Penthalon Hunter Extreme für 3D funktionieren wunderbar. Bis auf die Federn, die sind schlecht geklebt. Werde sie wohl runterrupfen und doch mal die Dragon Flights draufmachen. Nervt, wenn man nach jedem Schießen zwei oder drei Pfeile nachkleben muss. Wenn man halt nicht alles selber macht …

Der Bogenumbau war auf jeden Fall eine hervorragende Idee. Das neue Setup macht richtig Spaß und schießt sich traumhaft. Auch der neue Tab von Yost Archery ist der absolute Hammer.

Heute gab’s das erste Turnier 2018. Ein hübsches Vereinsturnier, natürlich draußen, mit einer Mischung aus Feld und 3D. Hat Spaß gemacht. Ergebnis passt auch. Guten dritten Platz mit 163 Punkten geschossen, nur 6 Punkte hinter den Erstplatzierten. Und das, obwohl ich mit den 3D-Pfeilen noch nicht alle Reichweiten ausgeschossen hatte und das ganze Setup überhaupt das erste Mal auf einer Turnierrunde genutzt habe. Da geht noch einiges. Scheint, als hab ich jetzt nach langem Basteln endlich die solide Basis, die zu mir passt und die ich immer gesucht habe, spätestens seit dem Formtief im Herbst.

Gemütlich war es nicht gerade, etwas über 0 Grad mit einesetzendem Nieselregen am Ende. Aber: auch die Outdoorklamotten sind derweil perfekt. Thermosocken und -unterwäsche, Woll-Hoodie, Outdoorhose, gefütterte Treckingboots und eine warme Softshelljacke. Damit ist es immer schön warm und trocken und die Bewegungsfreiheit damit ist super.

Auch das heimische Training zahlt sich aus. Die Technik wird besser, bis auf den einen oder anderen Patzer hier und da. Aber wenigstens merk ich selber, welche Fehler ich mache und kann sie dann beheben. Auch Kraft und Ausdauer werden besser. 2018 könnte in Sachen Bogenschießen ein gutes Jahr werden.

Die Bogenecke ist nun ebenfalls nahezu ausgeräumt. Noch ein weiterer Bogen hat einen Abnehmer gefunden und auch das Kleinkram ist weitestgehend verkauft. Mal gespannt, was in diesem Jahr noch alles kommt. Wäre ja nicht schlecht, wenn das Basteln und Ausprobieren endlich mal zur Ruhe kommt und ich mich voll und ganz drauf konzentrieren kann, schlicht und einfach besser und konstanter zu werden. Auf jeden Fall fühlt sich alles sehr gut an, und das ist die halbe Miete. Bogenschießen ist viel Kopfsport, wenn man sich mit allem wohl fühlt, klappt vieles wie von selbst.